Gruppe aus Dietzenbach berichtet von Bürgerreise nach Kunming Von China „einiges abgucken“

Beim Empfang mit dem Kunminger Vize-Bürgermeister An Enfa entstand das gemeinsame Gruppenbild. Bild: privat

Dietzenbach – Das „Reich der Mitte“ fasziniert Menschen auf der ganzen Welt. Der rasante technologische Aufstieg, die Jahrtausende alte Kultur, die vielfältigen Landschaften: Die Gründe, warum jedes Jahr Millionen Menschen nach China reisen, sind vielfältig. Auch in Dietzenbach leben viele China-Begeisterte. Seit 2020 besteht eine Städtepartnerschaft zwischen der Kreisstadt und der chinesischen Millionenstadt Kunming. Im vergangenen Mai unternahmen Dietzenbacherinnen und Dietzenbacher eine Bürgerreise in das asiatische Land. Am Donnerstagabend traf man zum ersten Mal seit der Reise wieder zusammen. Im Ristorante Panorama auf dem Wingertsberg berichteten die Reisenden von ihren Erlebnissen im fernöstlichen Land. Einer der Reisenden schlägt eine Schulpartnerschaft vor.

„Es war total beeindruckend“, sagt eine Teilnehmerin und holt ihr Handy aus der Hosentasche. Sie zeigt ein Bild einer deutschsprachigen Schule aus Kunming. Alles sieht neu aus – das Gebäude der Schule, der Sportplatz, die Bibliothek. Besonders Letztere hat es ihr angetan. „So etwas habe ich noch nie gesehen. Sehen Sie mal, wie schön das aussieht“, sagt sie. Dann zeigt sie ein Bild von Schülern, wie sie auf einem Appellplatz Sportübungen ausführen. „Wir konnten uns das angucken. Die sind einfach selbstständig rausgegangen ohne Aufforderung der Lehrer und haben dann Sport gemacht“, berichtet sie. Die Frau aus der Bürgerreisegruppe räumt zwar ein, dass das alles ein bisschen wie militärischer Drill aussehe. „Aber wenn man sich anguckt, wie wenig die Kinder sich bei uns bewegen, dann kann man sich da schon ein bisschen was abgucken“, sagt sie schmunzelnd.

Die Millionenmetropole und Provinzhauptstadt Kunming liegt in der südchinesischen Provinz Yunnan mitten im Yunnan-Guizhou-Plateau. Wie viele andere Städte in China hat Kunming in den letzten 20 Jahren einen rasanten Wandel erlebt. Die kommunistische Zentralregierung hat eine Menge Geld in die Hand genommen, um die die Stadt zu entwickeln. Das ist auch der Reisegruppe nicht entgangen.

„Die Bahnstationen sehen aus, wie bei uns die Flughäfen“, erzählt eine andere Teilnehmerin. Es gebe große Wartehallen, die Menschen seien sehr diszipliniert, es gebe kein Gedrängel, alles sei neu und sauber. Das hört man häufiger von der Gruppe an diesem Abend: wie sauber alles aussehe. Kein Müll sei auf der Straße zu sehen gewesen, berichten die China-Begeisterten einhellig. „Und die Bahnen waren immer alle pünktlich auf die Sekunde“, ruft eine Frau in die Runde. Die Schilderungen klingen fast zu perfekt, um wahr zu sein. Auf die Frage, ob das alles nicht auch ein bisschen Angst auslöse, weil Europa abgehängt werden könnte, entgegnet eine Reisende wie aus der Pistole geschossen: „Nein! Angst brauchen wir nicht haben. Es sollte uns zu denken geben. Warum schafft Deutschland sowas nicht?“ Man könne sich von China „einiges abgucken“, findet sie.

Die Reisegruppe berichtet über ihre Begegnungen mit den Einheimischen, auch hier herrscht ein einhelliges Urteil. „Die Menschen waren uns gegenüber sehr aufgeschlossen und neugierig. Sie wollten mit uns in Kontakt treten“, sagt Cengiz Hendek, der die Reise mitorganisiert hat. Mitglied des Kunming-Stammtisches ist auch der ehemalige Schulleiter der Heinrich-Mann-Schule, Hans Peter Löw. Er schlägt vor, eine Schulpartnerschaft mit der Metropole einzugehen. „Wir brauchen den Austausch mit China. So eine Schulpartnerschaft könnte helfen, Jugendliche aus Dietzenbach und Kunming zu verbinden. Dadurch würden Vorurteile abgebaut und ein geistiger und kultureller Austausch fände statt, von denen beide Seiten profitieren würden“, findet Löw.

Von Steffen Lynch